Zahntraumatologie: Notfallmanagement
Die Andreasen-Klassifikation von Zahntraumata, das Management eines avulsierten Zahns, und warum die ersten Minuten nach dem Trauma für die Prognose entscheidend sind.
Zahntraumata stellen einen der wenigen echten zahnmedizinischen Notfälle dar, bei denen die Interventionszeit die langfristige Prognose direkt beeinflusst, insbesondere bei vollständiger Avulsion. Die in der Literatur am häufigsten verwendete, von Jens Andreasen entwickelte Klassifikation unterscheidet Läsionen je nach betroffenem Gewebe: Läsionen an Hartgeweben und Pulpa (von der einfachen Schmelzfraktur bis zur Wurzelfraktur), Läsionen an den stützenden Parodontalgeweben (von der Konkussion über die Luxation bis zur vollständigen Avulsion) und Läsionen am stützenden Knochen.
Die Avulsion — der vollständige Austritt des Zahns aus seiner Alveole — ist der Notfall, der die schnellste Reaktion überhaupt erfordert. Die Prognose hängt größtenteils von der Vitalität der Zellen des parodontalen Ligaments ab, die an der Wurzel verblieben sind, welche schnell abzusterben beginnen, wenn der Zahn ohne geeignetes Konservierungsmedium außerhalb der Alveole bleibt. Das korrekte Protokoll sieht vor: wenn möglich, den Zahn sofort in seine ursprüngliche Alveole reimplantieren, wobei er vorsichtig gespült wird, ohne die Wurzeloberfläche abzureiben; wenn eine sofortige Reimplantation nicht möglich ist, den Zahn in einem geeigneten Medium aufbewahren — physiologischer Kochsalzlösung, frischer Milch oder dem eigenen Speichel des Patienten, wenn nichts anderes verfügbar ist — wobei Leitungswasser unbedingt zu vermeiden ist, da es aufgrund seiner Hypotonie schnell die Zellen des parodontalen Ligaments schädigt.
Es ist wichtig, Patienten oder denjenigen, die ihnen unmittelbar nach einem Trauma helfen, ein einfaches Prinzip zu vermitteln: Ein innerhalb weniger Minuten reimplantierter avulsierter Zahn hat eine deutlich bessere Prognose als einer, der nach einer Stunde reimplantiert wird, und dieses Zeitfenster ist so kritisch, dass, wenn möglich, die Reimplantation vor Ort (in der Schule, auf dem Sportplatz) durch jemanden, der die Szene betreut, so unvollkommen sie auch sein mag, im Allgemeinen dem Warten auf den Transport in die Praxis vorzuziehen ist.
Milchzähne stellen eine wichtige Ausnahme von dieser Regel dar: Sie werden nach einer Avulsion niemals reimplantiert, da die Reimplantation das Risiko birgt, den noch in Entwicklung befindlichen Keim des darunterliegenden bleibenden Zahns zu schädigen. Bei anderen traumatischen Läsionen — Konkussion, Subluxation, Luxation — reicht das Management von der einfachen klinischen und radiographischen Beobachtung im Laufe der Zeit bis zur Reposition und Fixierung (Schienung) des Zahns für einen variablen Zeitraum, je nach Schweregrad der Verschiebung und Restmobilität.
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