Zahnkaries: Pathophysiologie und Risikofaktoren

Das Drei-Kreise-Modell von Keyes, das erklärt, wie eine Karies entsteht, die Rolle von Streptococcus mutans, und warum der kritische pH-Wert von 5,5 die Zahl ist, die man sich merken sollte.

Karies ist eine multifaktorielle Infektionskrankheit, und die einfachste Art, sie zu erklären — auch Patienten — bleibt das 1960 von Paul Keyes vorgeschlagene Drei-Kreise-Diagramm: Damit sich eine kariöse Läsion bildet, müssen gleichzeitig ein anfälliger Wirt (ein Zahn mit verletzbarem Schmelz), eine kariogene Mikroflora und ein fermentierbares Substrat, typischerweise Diätzucker, vorhanden sein. Entfernt man auch nur einen dieser drei Faktoren, wird der Karies-Prozess unterbrochen.

Das am direktesten am Beginn des Prozesses beteiligte Bakterium ist Streptococcus mutans, das in der Lage ist, am Schmelz zu haften und Zucker zu fermentieren, wobei organische Säuren als Stoffwechselnebenprodukt entstehen. Wenn der pH-Wert der Plaque unter die kritische Schwelle von 5,5 sinkt, beginnt das Hydroxylapatit des Schmelzes zu demineralisieren und gibt Calcium- und Phosphationen ab. Dieser Prozess ist in seinen frühen Phasen reversibel: Der Speichel, reich an diesen gleichen Mineralien und an Fluorid, wenn vorhanden, kann die Remineralisierung fördern, wenn der Schmelz Zeit hat, sich zwischen den Säureangriffen zu erholen.

Genau dieses dynamische Gleichgewicht zwischen Demineralisierung und Remineralisierung bestimmt, ob eine initiale Läsion zurückgeht oder zu einer manifesten Kavität fortschreitet. Jede Zuckeraufnahme erzeugt eine pH-Absenkung, die etwa 20-30 Minuten dauert; die Häufigkeit der Mahlzeiten und Snacks zählt daher mindestens genauso viel wie die im Laufe des Tages aufgenommene Gesamtzuckermenge, da sie bestimmt, wie viele 'Säureangriffe' der Schmelz erdulden muss.

Zu den individuellen Kariesrisikofaktoren gehören neben der Ernährung eine unzureichende Mundhygiene, ein reduzierter Speichelfluss (Xerostomie), das Vorhandensein kieferorthopädischer Apparaturen oder Restaurationen, die neue Plaque-Retentionsstellen schaffen, sowie eine Karieshistorie, die einer der zuverlässigsten Prädiktoren für zukünftiges Risiko bleibt. Die Bewertung des individuellen Kariesrisikos, nicht nur die Diagnose der bereits vorhandenen Läsion, sollte die Häufigkeit der Kontrollen und die Intensität der jedem Patienten vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen leiten.

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