Zahnabdruck: digitale vs. traditionelle Techniken

Was die Forschung tatsächlich zum Präzisionsvergleich zwischen Intraoralscannern und traditionellen Silikonabdrücken sagt: wo die digitale Technologie bereits überlegen ist, und wo konventionelle Abdrücke noch die zuverlässigere Wahl bleiben.

Der Intraoralscanner erfasst ein dreidimensionales Modell des Patientenmundes mittels optischer Sensoren, typischerweise auf Basis strukturierten Lichts, in einem Prozess, der in der Regel weniger als zwei Minuten dauert und kein physisches Abdruckmaterial benötigt. Im Vergleich zum traditionellen Silikonabdruck ist der vom Patienten am unmittelbarsten wahrgenommene Vorteil der Komfort: Es besteht keine Notwendigkeit mehr, den Mund lange mit einem materialgefüllten Abdrucklöffel offen zu halten, ein Aspekt, der die Beschwerden erheblich reduziert, insbesondere bei Patienten mit ausgeprägtem Würgereflex oder bei Kindern.

Was die klinische Präzision betrifft, bietet die wissenschaftliche Literatur jedoch ein differenzierteres Bild, als das Marketing neuer Technologien vermuten lässt. Eine auf Doctor OS veröffentlichte Literaturübersicht zeigt, dass die Genauigkeit optischer Abdrücke bei Einzelrestaurationen oder festsitzendem Teilzahnersatz bis zu 4-5 Elementen klinisch zufriedenstellend und mit traditionellen Abdrücken vergleichbar ist. Für umfangreichere Rehabilitationen — festsitzenden Teilzahnersatz mit mehr als 5 Elementen oder vollständigen Kieferbogenzahnersatz auf natürlichen Zähnen oder Implantaten — zeigen Studien hingegen eine noch messbare Überlegenheit des traditionellen Abdrucks, der über die Ausdehnung des Scans weniger Fehler akkumuliert.

Eine auf Odontoiatria33 veröffentlichte Analyse fügt ein relevantes technisches Detail hinzu: Für das Einzelzahnscannen oder den sektoralen Abdruck eines Implantat-Abutments ist die Präzision der digitalen Technik mit der eines Polyether-Abdruckmaterials vergleichbar; für das Scannen des vollständigen Kieferbogens hingegen deuten Studien immer noch auf eine Überlegenheit des traditionellen Abdrucks hin. Interessant ist, dass laut derselben Analyse die Präzision des digitalen Scans mehr von der Sequenz und der Bewegung abzuhängen scheint, mit der der Behandler den Scan durchführt, als vom verwendeten Scannersystem selbst: Das Scannen des Kieferbogens in mehreren progressiven Durchgängen kompensiert beispielsweise teilweise die Ablesefehler, die sich bei einem einzigen kontinuierlichen Durchgang akkumulieren würden.

Dieses Bild legt eine praktisch nützlichere Schlussfolgerung nahe als ein absolutes Urteil für oder gegen digital: Die Wahl zwischen digitalem und traditionellem Abdruck sollte von Fall zu Fall getroffen werden, je nach Umfang der durchzuführenden Rehabilitation, statt als grundsätzliche Entscheidung, die ein für alle Mal in der Praxis getroffen wird. Es ist kein Zufall, dass die neuesten Hybridprotokolle — beispielsweise bei der Herstellung von Totalprothesen — bewusst traditionelle Abdrücke für die Schritte kombinieren, bei denen sie präziser bleiben, mit der anschließenden Digitalisierung, um die Geschwindigkeit des digitalen Workflows in den folgenden Phasen zu nutzen.

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