Der Recall nach sechs Monaten ist Gewohnheit, kein Protokoll

Der Recall nach sechs Monaten ist so verbreitet, dass er wie eine klinische Regel wirkt. Er ist jedoch eine gewachsene Gewohnheit, und die Literatur hat seine Überlegenheit als allgemeines Intervall nie belegt.

Das Problem ist nicht, dass er falsch wäre, sondern dass er für alle gleich ist. Dasselbe Intervall für eine stabile Patientin und für jemanden mit Parodontitis heißt: die eine zu oft, den anderen zu selten einzubestellen.

Die richtige Häufigkeit entsteht aus dem persönlichen Risiko, und die bestimmenden Faktoren lassen sich in einer Sitzung erfassen.

Der erste ist die parodontale Stabilität. Wer verbreitet Blutung auf Sondierung und Resttaschen aufweist, braucht Abstände von drei bis vier Monaten, denn so lange dauert die Neuordnung des subgingivalen Biofilms nach der Instrumentierung.

Der zweite ist die häusliche Belagkontrolle. Wer beständig niedrige Werte erreicht, hält das Ergebnis zwischen zwei Sitzungen länger.

Der dritte ist die jüngste Kariesgeschichte, der zuverlässigste Vorhersagewert künftiger Karies — verlässlicher als jede Ernährungsbeurteilung.

Der vierte ist der Speichelfluss, denn eine belegte Verminderung verändert das Tempo, in dem eine Läsion fortschreiten kann, und rechtfertigt kürzere Abstände unabhängig vom Übrigen.

Der fünfte betrifft allgemeine und verhaltensbezogene Faktoren: Rauchen, schlecht eingestellter Diabetes, Medikamente, die den Speichel mindern, und Lebensphasen, in denen die Pflege zurücktritt.

Daraus ergeben sich vernünftige Spannen. Drei bis vier Monate für die parodontale Erhaltung, sechs für stabile Verhältnisse mit guter Kontrolle, und längere Abstände lassen sich nur bei wirklich niedrigem Risiko vertreten.

Ein praktischer Punkt wiegt schwerer als die Theorie: Das Intervall gehört erklärt. Wer hört, in drei Monaten wiederzukommen, ohne Begründung, liest es als Geschäftsinteresse.

Dieselbe Person versteht und hält sich daran, wenn man ihr den eigenen Blutungswert zeigt und erklärt, dass man nach drei Monaten eingreift, bevor sich die Gewebe neu ordnen.

Das Intervall gehört zudem überprüft. Wer sich verbessert, kann auf längere Abstände wechseln, und das mitzuteilen ist die greifbarste Bestätigung, dass die eigene Mühe etwas bewirkt hat.

Zusammengefasst: Sechs Monate sind Gewohnheit und kein Protokoll, die Häufigkeit entsteht aus parodontaler Stabilität, Belagkontrolle, Kariesgeschichte, Speichelfluss und allgemeinen Faktoren, das Intervall gehört erklärt, damit es nicht geschäftlich wirkt, und es wird überprüft, wenn sich etwas bessert.