Prophylaxekelche und -bürstchen: die falsche Härte trägt Schmelz ab statt Belag

Die Prophylaxesitzung endet fast immer mit dem Polieren, und dabei wird der Instrumentenwahl die geringste Aufmerksamkeit geschenkt. Kelch oder Bürstchen nimmt man aus der Schublade, ohne nachzudenken.

Beide Instrumente leisten Verschiedenes. Der Gummikelch arbeitet auf Glattflächen und im zervikalen Drittel, wo sein weicher Rand der Kontur folgt und den Sulkus erreicht. Das Borstenbürstchen arbeitet in den okklusalen Fissuren, über die der Kelch hinweggleitet, ohne einzudringen.

Den Kelch okklusal zu verwenden heißt, die Höcker zu polieren und die Fissur zu belassen; das Bürstchen zervikal zu verwenden heißt, steife Borsten über freiliegendes Wurzelzement zu führen, das weit weniger widerstandsfähig ist als Schmelz.

Die Borstenhärte richtet sich nach der Fläche, nicht nach der Hartnäckigkeit des Belags. Gesunder Schmelz verträgt mittlere Borsten; freiliegendes Wurzelzement und Komposit verlangen weiche.

Der Unterschied ist messbar. Zement hat eine weit geringere Härte als Schmelz, und aggressives Polieren an einer freiliegenden Wurzel trägt bei jeder Sitzung eine dünne, aber reale Schicht ab. Zweimal jährlich über ein Jahrzehnt summiert sich das.

Die Drehzahl des Winkelstücks wiegt schwerer als die verwendete Paste. Die Empfehlungen laufen auf niedrige Werte hinaus, etwa 2.000 bis 3.000 Umdrehungen je Minute: Darüber erzeugt die Reibung Wärme, die Paste trocknet und verliert ihre Schmierwirkung, und der Abtrag steigt.

Das praktische Zeichen ist die Farbe. Eine Paste, die unter dem Kelch vergilbt oder eintrocknet, zeigt zu hohe Drehzahl oder zu starken Druck an. Bei richtiger Drehzahl bleibt sie auf der ganzen Fläche feucht.

Der Druck ist der zweite Faktor: Der Kelch soll sich beim Kontakt leicht aufweiten, nicht flachdrücken. Ein flachgedrückter Kelch arbeitet mit dem starren Boden statt mit dem Rand und verliert die Fähigkeit, in den Sulkus einzudringen.

Die Körnung der Paste wird in Folge eingesetzt, nicht aus Gewohnheit. Grobe Körnung entfernt Verfärbungen, hinterlässt aber eine raue Oberfläche, die mehr Belag festhält als die Ausgangsfläche: Wird sie verwendet, muss eine feine folgen.

Mit grober Körnung abzuschließen ist ein verbreiteter Fehler und ergibt ein Resultat, das sauber wirkt und sich schneller wieder verfärbt.

Der Einweggebrauch hat hier neben dem hygienischen auch einen technischen Grund: Borsten verformen sich nach wenigen Anwendungen, und ein gebrauchter Kelch verliert die Elastizität seines Randes. Ein wiederverwendetes Instrument arbeitet schlechter, auch einwandfrei sterilisiert.

Die Steckverbindung ist der Schraubverbindung aus einem praktischen Grund vorzuziehen: Man wechselt das Instrument während der Sitzung in zwei Sekunden, was es realistisch macht, Kelch und Bürstchen im selben Kiefer zu verwenden, statt sich für einen Kompromiss zu entscheiden.

Zusammengefasst ist das Prophylaxepolieren ein kontrolliert abrasives Verfahren: Kelch auf Glattflächen, Bürstchen in den Fissuren, weiche Borsten auf freiliegenden Wurzeln, niedrige Drehzahl und feine Körnung zuletzt. Jeder Punkt für sich ist banal, zusammen machen sie den Unterschied zwischen Reinigen und Abtragen.