Platzhalter: Der Verlust eines zweiten Milchmolaren kostet mehr Platz, als es scheint
Der frühe Verlust eines Milchzahns setzt eine Wanderung der Nachbarzähne in die Lücke in Gang, und diese Lücke braucht der nachfolgende bleibende Zahn.
Wie viel verloren geht, hängt davon ab, welcher Zahn und wann. Der zweite Milchmolar ist der kritischste Fall: Sein Verlust erlaubt dem ersten bleibenden Molaren die Mesialwanderung, und diese Bewegung verläuft rasch und ist schwer rückgängig zu machen.
Der Verlust in den ersten sechs Monaten nach der Extraktion erzeugt die größte Wanderung, was den Platzhalter dringlicher macht, als die Wahrnehmung nahelegt.
Platzhaltung ist jedoch nicht automatisch angezeigt. Der insgesamt verfügbare Platz ist zu beurteilen: Weist der Kiefer bereits einen deutlichen Engstand auf, löst das Halten einer einzelnen Lücke das Problem nicht und kann eine umfassendere kieferorthopädische Entscheidung nur aufschieben.
Zu beurteilen ist auch der Entwicklungsstand des darunterliegenden bleibenden Zahns. Ist die Wurzel bereits zu zwei Dritteln gebildet und der Durchbruch nahe, kann der Platzhalter entbehrlich sein.
Die Röntgenaufnahme gehört daher zur Entscheidung und ist keine nebensächliche Kontrolle: Sie zeigt, wie lange es bis zum Durchbruch dauert und ob der Keim vorhanden ist.
Der Band-Schlaufen-Platzhalter ist das einfachste Gerät bei einem einzelnen einseitigen Verlust. Er ist preiswert, wenig störend und gut verträglich, stellt aber die Kaufunktion nicht wieder her und verhindert die Elongation des Antagonisten nicht.
Der Lingualbogen im Unterkiefer ist bei beidseitigen Verlusten angezeigt. Er verbindet die beiden Molaren mit einem lingual der Schneidezähne verlaufenden Draht und erhält die Kieferbogenlänge.
In der frühen Wechselgebissphase ist er zurückhaltend einzusetzen, weil er an den unteren Schneidezähnen anliegt und deren Durchbruch stören oder eine unerwünschte Proklination erzeugen kann.
Der Transpalatinalbogen erfüllt im Oberkiefer eine entsprechende Aufgabe, mit dem Vorteil, auch die Molarenrotation zu kontrollieren — eine Bewegung, die mehr Platz kostet, als gemeinhin angenommen.
Ein rotierter Molar beansprucht mehr mesiodistalen Platz als seiner tatsächlichen Breite entspricht, und ihn zu derotieren gewinnt Platz ohne weitere Maßnahmen.
Die regelmäßige Kontrolle ist unverzichtbar, weil diese Geräte jahrelang im Mund bleiben. Lötstellen brechen, Bänder lösen sich, und ein defekter Platzhalter hält nichts, während Patient und Familie glauben, er arbeite.
Zusammengefasst: Der Verlust des zweiten Milchmolaren ist der kritischste und die ersten Monate die schnellsten, die Platzhaltung entscheidet sich nach verfügbarem Platz und Zustand des bleibenden Zahns, der Lingualbogen deckt beidseitige Verluste ab, und Kontrollen sind nötig, weil ein defektes Gerät von einem funktionierenden nicht zu unterscheiden ist.