Patienten motivieren: Information allein ändert kein Verhalten
Die Mundhygieneinstruktion ist die am häufigsten erbrachte Leistung und die mit der geringsten Umsetzung, und der Grund ist nicht, dass Patienten sie nicht verstünden.
Die stillschweigende Annahme lautet, falsches Verhalten entstehe aus fehlender Information und deren Vermittlung korrigiere es. Bei Gewohnheitsverhalten funktioniert das fast nie.
Wer schlecht putzt, weiß, dass er besser putzen sollte. Das zu wiederholen fügt Schuldgefühl hinzu, nicht Fähigkeit.
Die motivierende Gesprächsführung stammt aus anderen Feldern und überträgt einige nützliche Grundsätze, deren erster lautet: Die Änderungsmotivation muss vom Patienten kommen und darf nicht auferlegt werden.
Fragen statt Sagen ist die einfachste Veränderung. Zu fragen, was der Patient an den eigenen Zähnen bemerkt hat, öffnet einen anderen Raum als das Aufzählen dessen, was er falsch macht.
Ambivalenz wird anerkannt statt bekämpft. Wer sagt, er habe keine Zeit, sucht keine Gegenrede: Er beschreibt ein reales Hindernis, an dem sich arbeiten lässt.
Ziele gehören klein und überprüfbar. Die Interdentalbürste an zwei Stellen jeden Abend ist eine haltbare Zusage; vollständige tägliche Interdentalreinigung wird binnen einer Woche aufgegeben.
Ein erreichtes Ziel schafft Zuversicht und öffnet den Weg zum nächsten, während ein zu großes, verfehltes Ziel die Überzeugung schafft, es nicht zu können.
Visuelle Rückmeldung schlägt jede Erklärung, und deshalb ist ein Anfärbemittel mehr wert als zehn Minuten mündliche Instruktion.
Fortschritt zu zeigen wiegt so schwer wie das Problem zu zeigen. Wer die angefärbten Flächen gegenüber der letzten Kontrolle schrumpfen sieht, erhält eine Bestätigung, die kein allgemeines Lob ersetzt.
Der Zeitpunkt des Gesprächs zählt. Zu einem liegenden Patienten mit offenem Mund und Instrumenten in der Hand zu sprechen ist keine Kommunikation, sondern ein Monolog.
Dieselben Informationen am Ende der Sitzung, mit aufrecht sitzendem Patienten und freiem Gesicht, wirken anders, und dieser Wechsel des Rahmens kostet nichts.
Zusammengefasst: Informieren genügt nicht, weil das Problem nicht das Wissen ist, Fragen wirkt besser als Sagen, Ziele bleiben klein und überprüfbar, visuelle Rückmeldung schlägt die Erklärung, und das Gespräch findet im Sitzen statt im Liegen statt.