Parodontalsonden: Die Sondierkraft verändert den Messwert stärker als die Skalierung
Die Parodontalsonde liefert die Daten, auf denen Diagnose, Prognose und Behandlungsplanung beruhen. Sie ist zugleich das Instrument mit der größten Streuung zwischen Behandlern.
Die entscheidende Größe ist nicht die Sonde, sondern die aufgewendete Kraft. Dieselbe Tasche, mit unterschiedlicher Kraft gemessen, ergibt unterschiedliche Werte, und die Differenz kann einen Millimeter überschreiten.
Die Bezugskraft liegt bei etwa 0,20 bis 0,25 Newton, was einem sehr leichten Druck entspricht. Das ist deutlich weniger, als die meisten Behandler von selbst aufwenden.
Zu große Kraft führt die Spitze über das Saumepithel hinaus ins Bindegewebe und liefert eine tiefere Tasche, als sie ist. Bei entzündetem Gewebe fällt die Überschätzung größer aus.
Druckkalibrierte Sonden lösen das mit einem Federmechanismus, der oberhalb einer Schwelle nachgibt. Sie sind das Instrument der Wahl in klinischen Studien und in der Langzeitkontrolle.
Unter den Handsonden unterscheiden sich die Skalierungen und sind nicht austauschbar. Die UNC-15 hat Marken je Millimeter mit hervorgehobenen Bändern; die Williams lässt vier und sechs aus; die CPI trägt ein Farbband zwischen 3,5 und 5,5.
Von einer Skalierung zur anderen zu wechseln bringt zwischen zwei Kontrollen einen Ablesefehler mit sich, der sich zum Kraftfehler addiert — deshalb lohnt es, das Instrument in der Praxis zu vereinheitlichen.
Die CPI-Sonde ist für das rasche Screening gedacht, nicht für die detaillierte Diagnostik. Sie zur Erfassung der Taschentiefen eines komplexen Parodontalfalls zu verwenden kostet Auflösung.
Sondiert wird an sechs Stellen je Zahn, nicht an vier. Die approximalen Stellen tragen die tiefsten Taschen, und sich auf die bukkalen und lingualen Flächen zu beschränken unterschätzt die Erkrankung durchgehend.
Die Spitze bleibt parallel zur Zahnachse und wandert durch den Sulkus, sie wird nicht an einzelnen Punkten eingeführt und zurückgezogen. Erfasst wird der tiefste an dieser Stelle gefundene Wert.
An Implantaten werden Sonden aus Kunststoff oder Titan verwendet, um die Oberfläche nicht zu verkratzen, und die Werte werden anders gelesen: Periimplantäres Gewebe setzt weniger Widerstand entgegen, und die Eindringtiefe ist bei gleicher Kraft größer.
Bluten auf Sondierung wird zusammen mit der Tiefe erfasst, denn es unterscheidet eine stabile Tasche von einer aktiven, und sein wiederholtes Ausbleiben hat guten prädiktiven Wert für Stabilität.
Zusammengefasst: Leichte Kraft zählt mehr als die gewählte Sonde, in der Praxis wird eine Skalierung vereinheitlicht, sechs Stellen je Zahn werden erfasst, und an Implantaten kommen nichtmetallische Spitzen mit anders zu lesenden Werten zum Einsatz.