Okklusionsfolie: warum die Stärke verändert, was man sieht, und nicht nur, wie stark sie markiert
Was eine 30-Mikrometer-Folie von einer 100er unterscheidet, warum ein markierter Kontakt nicht automatisch ein starker Kontakt ist, und welche Anwendungsfehler irreführende Markierungen erzeugen.
Das verbreitetste Missverständnis lautet, die Größe des Farbflecks entspreche der Stärke des Kontakts. Das trifft nicht zu: Der Fleck hängt von der Folienstärke, der Farbstoffmenge, der Feuchtigkeit der Oberfläche und der Höckermorphologie ab und nur zum Teil von der Kraft. Eine dicke Folie hinterlässt auch bei leichtem Kontakt breite Markierungen, schlicht weil das Material sich verformt und Farbe über eine größere Fläche überträgt. Deshalb eignet sich eine 100-Mikrometer-Folie gut dazu, rasch zu finden, wo die Zähne sich berühren, nicht aber dazu festzustellen, welcher Kontakt ein Frühkontakt ist: dafür braucht es eine dünne Folie, die nur dort markiert, wo tatsächlich Druck herrscht.
Daraus ergibt sich die Logik der zwei Stärken, die aufeinanderfolgend und nicht alternativ ist. Man beginnt mit der dicken Folie für eine grobe Kartierung in maximaler Interkuspidation und in den Lateralbewegungen: Sie zeigt das Gesamtbild und weist die zu prüfenden Zonen aus. Danach folgt die dünne Folie, typischerweise um 30 Mikrometer, für die Feinarbeit: In dieser Stärke hinterlassen nur reale Kontakte eine Spur, und der Unterschied zwischen einem markierenden Punkt und einem benachbarten ohne Markierung wird aussagekräftig. Auf Keramik, deren Oberfläche hart und glatt ist und Farbstoff schlecht hält, ist die dünne Folie oft die einzige, die ein lesbares Zeichen gibt.
Anwendungsfehler wiegen so schwer wie die Materialwahl. Der erste ist das Markieren auf feuchten Flächen: Speichel verdünnt den Farbstoff und erzeugt verwaschene Flecken, die wie breite Kontakte aussehen. Vor jeder Markierung mit dem Luftbläser zu trocknen ist die einzelne Maßnahme, die die Lesbarkeit am stärksten verbessert. Der zweite besteht darin, den Patienten mehrfach auf dieselbe Folie beißen zu lassen, ohne sie zu wechseln: Der Farbstoff erschöpft sich dort, wo er gebraucht wird, und verschmiert dort, wo er nicht gebraucht wird. Der dritte, der tückischste, ist die Okklusionskontrolle bei liegendem Patienten und nicht entspannter Muskulatur unter noch wirkender Anästhesie — die Unterkieferposition unter diesen Bedingungen ist nicht jene, die der Patient nach dem Verlassen der Praxis haben wird, und eine darauf ausgearbeitete Restauration kommt zurück.
Schließlich lohnt die Unterscheidung nach Farben. Zwei verschiedene Farben für maximale Interkuspidation und für Exkursionsbewegungen machen sofort sichtbar, welche Spur wozu gehört, statt die Reihenfolge der Markierungen aus dem Gedächtnis rekonstruieren zu müssen. Ein belangloser Unterschied bei den Materialkosten und ein erheblicher bei der Ausarbeitungszeit.
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