Eine Praxis eröffnen: Bei der Erstausstattung wird zu viel ausgegeben, weil noch keine Historie existiert

Wer eine Praxis eröffnet, kauft die Erstausstattung ohne die wichtigste Größe für diese Entscheidung, nämlich den tatsächlichen Verbrauch.

Fehlt diese Größe, kauft man sicherheitshalber, und sicherheitshalber kaufen heißt zu viel kaufen. Eine nachvollziehbare Reaktion, deren Kosten aber genau dann anfallen, wenn die Liquidität am dünnsten ist.

Das erste brauchbare Kriterium trennt, was Sie blockiert, von dem, was Sie bremst. Entweder es fehlt und Sie können nicht arbeiten, oder Sie arbeiten mit etwas Unbequemlichkeit weiter: zwei verschiedene Kategorien, die verschieden zu behandeln sind.

Zur ersten gehören die einfachen Einwegartikel und alles rund um Sterilisation und Schutz. Ohne Handschuhe, Masken, Speichelsauger und Autoklavbeutel beginnt der Tag nicht.

Bei diesen Posten ist ein realer Vorrat sinnvoll, denn ein Fehlbestand stoppt den Betrieb und erzwingt die Eilbestellung, die immer die teuerste Variante ist.

Zur zweiten gehören die Materialien für Leistungen, deren Umfang Sie noch nicht kennen. Hier bleibt der Bestand niedrig, weil die Fallzusammensetzung der ersten Monate unvorhersehbar ist.

Der typische Fehler ist, für ein Fachgebiet in die Tiefe einzukaufen, dessen Ausbau man sich vorstellt und das dann, je nach Patientenstruktur, zwei Jahre lang randständig bleibt.

Das dritte Kriterium ist das Verfallsdatum. Bei allem mit Datum bemisst sich die Menge am erwarteten Verbrauch bis dahin und nicht an der Ersparnis des Mengenrabatts.

Ein Rabatt von zwanzig Prozent auf ein Produkt, von dem Sie dreißig Prozent wegwerfen, ist kein Rabatt.

Das Wertvollste, das in den ersten Monaten entsteht, ist nicht das Lager, sondern die Historie. Jede erfasste Bestellung wird zu der Zahl, die Ihren tatsächlichen Verbrauch beziffert, und ab da hören Entscheidungen auf, Schätzungen zu sein.

Deshalb lohnt es sich, über einen Kanal zu bestellen, der festhält, was wann gekauft wurde, statt Bestellungen über Telefonate, E-Mails und verschiedene Vertreter zu verstreuen.

Nach sechs Monaten ist diese Historie mehr wert als jede bei der Eröffnung erstellte Einkaufsliste, denn sie beschreibt Ihre Praxis und keine allgemeine.

Zusammengefasst: Die Erstausstattung wird ohne Verbrauchsdaten überdimensioniert, trennen Sie Blockierendes von Bremsendem, halten Sie den Bestand bei noch nicht angelaufenen Fachgebieten niedrig, der Mengenrabatt gleicht ein abgelaufenes Produkt nicht aus, und die Bestellhistorie ist das eigentliche Kapital der ersten Monate.