Kanülenabwurfbehälter: der gefährlichste Moment des Tages ist der volle Behälter
Die Stichverletzung mit gebrauchter Kanüle ist der häufigste Unfall in der Zahnmedizin, und die meisten Ereignisse häufen sich in zwei Momenten: beim Wiederaufsetzen der Schutzkappe und beim Entsorgen.
Das beidhändige Wiederaufsetzen wurde nahezu überall aufgegeben, weshalb sich Sicherheitskanülen durchgesetzt haben. Die Entsorgung dagegen bleibt ein kritischer Punkt und erhält weit weniger Beachtung.
Der wichtigste Risikofaktor ist der Füllstand. Ein über die Markierung hinaus gefüllter Behälter zwingt zum Nachdrücken, und Druck auf eine Ansammlung von Kanülen führt zu Rückfedern und zum Austritt aus der Öffnung.
Die maximale Füllmarke, typischerweise bei drei Vierteln, ist keine vorsorgliche Empfehlung: Sie ist die Schwelle, oberhalb derer das Risiko deutlich steigt. Die Versuchung, in einen fast vollen Behälter noch eine letzte Kanüle zu geben, ist der Moment, in dem der Unfall geschieht.
Der Behälter ist mit einem zum Verbrauch passenden Volumen zu wählen. Ein zu großer bleibt wochenlang in Gebrauch und wird überfüllt; ein zu kleiner wird ständig gewechselt und am Ende offen stehen gelassen.
Ein normgerechter Behälter erfüllt genaue Anforderungen: Durchstichfestigkeit, Flüssigkeitsdichtheit, endgültiger, nicht wieder zu öffnender Verschluss und Kennzeichnung nach den Vorschriften für gefährliche medizinische Abfälle. Eine gewöhnliche feste Box erfüllt keine davon.
Der endgültige Verschluss ist das entscheidendste Merkmal. Ein wieder zu öffnender Deckel erlaubt die versehentliche Entnahme des Inhalts — beim Transport oder durch einen beiläufigen Griff dessen, der den Inhalt nicht kennt.
Die Einwurföffnung verdient Beachtung, weil sich dort die Hand nähert. Öffnungen mit innenliegender Rückhaltevorrichtung verhindern, dass der Inhalt selbst beim Umkippen austritt.
Ein in den Deckel integriertes System zum Abtrennen der Kanüle von der Spritze beseitigt den riskantesten Schritt: Man führt den Konus ein, dreht, und die Kanüle fällt hinein, ohne dass sich die Finger der Spitze nähern.
Der Standort wiegt ebenso schwer wie die Ausstattung. Der Behälter muss in Armreichweite des Behandlers stehen, auf Höhe der Arbeitsfläche: Ein entfernter oder tief stehender Behälter zwingt dazu, die ungeschützte Kanüle einige Meter zu tragen — die Bedingung, unter der Dritte gestochen werden.
Wand- oder Wagenhalterungen lösen das Problem und kosten wenig. Es gehört zu den Ausgaben, die man erst nach einem Unfall richtig bewertet.
Ein oft übersehener organisatorischer Punkt ist die Nachverfolgbarkeit: Der verschlossene Behälter wird mit Begleitpapier übergeben, und der Wechsel ist einzuplanen, bevor die Grenze erreicht ist — nicht erst, wenn sie überschritten wurde.
Zusammengefasst konzentriert sich das Risiko bei der Entsorgung spitzer Gegenstände auf den zu vollen und zu weit entfernten Behälter. Ein zertifizierter, am tatsächlichen Verbrauch bemessener und in Reichweite platzierter Behälter löst nahezu alle belegten Fälle.