Inlays, Onlays und Overlays: wann die indirekte Restauration die direkte schlägt

Die Wahl zwischen direkter und indirekter Restauration erfolgt oft nach der nach Augenmaß geschätzten Kavitätengröße. Es gibt genauere Kriterien, und sie führen zu anderen Entscheidungen als die Gewohnheit.

Das erste Kriterium ist der okklusale Isthmus: die vestibulo-orale Breite der Kavität im Verhältnis zum Höckerabstand. Jenseits der Hälfte dieses Abstands sinkt die Widerstandsfähigkeit des Zahns deutlich, und die Höcker werden anfällig.

Das zweite ist Vorhandensein und Stärke der Restwände. Eine an der Basis unter 2 Millimeter starke Wand hält der Kaubelastung auf Dauer nicht stand — weshalb man sie überkuppeln statt aufbauen sollte.

Das dritte ist die Lage des zervikalen Randes. Ein tiefer Rand unterhalb der Schmelz-Zement-Grenze erschwert Trockenlegung und Ausarbeitung eines direkten Komposits, während eine indirekte Restauration ihn mit Randanhebung beherrschbar macht.

Die Terminologie unterscheidet drei Situationen. Das Inlay bleibt innerhalb der Höcker; das Onlay überdeckt einen oder mehrere Höcker; das Overlay überdeckt die gesamte Okklusalfläche. Der Unterschied ist nicht bloß begrifflich: er verändert die Kraftverteilung.

Die Höckerüberkuppelung verändert die Prognose am stärksten. Eine Restauration, die die Höcker überdeckt, wandelt spreizende Kräfte in Druckkräfte um — das schützt den Zahn, statt ihn zur Fraktur zu treiben.

An einem wurzelbehandelten Prämolaren mit beidseits dünnen Wänden hat ein Overlay eine deutlich bessere Prognose als ein Inlay und in vielen Fällen bessere als eine Krone: es erhält mehr Substanz bei gleichem Schutz.

Unter den Materialien ist Lithiumdisilikat heute das meistverwendete für Inlays, weil es Ästhetik und Festigkeit verbindet. Es verlangt mindestens 1,5 Millimeter okklusale Stärke und strikte adhäsive Befestigung.

Laborkomposite haben einen dentinnäheren Elastizitätsmodul und lassen sich intraoral leichter korrigieren und reparieren. Sie eignen sich besser für Bruxismuspatienten, bei denen eine starre Keramik die Last auf den Antagonisten überträgt.

Gussgold hat die längste Dokumentation und das zuverlässigste Randverhalten, doch die ästhetische Akzeptanz hat seinen Einsatz außerhalb nicht sichtbarer Seitenzahnbereiche fast auf null reduziert.

Die adhäsive Befestigung entscheidet über die Haltbarkeit und verlangt Kofferdam. Ein im kontaminierten Feld eingesetztes Keramikinlay hat eine schlechtere Prognose als ein sorgfältig gelegtes direktes Komposit.

Die Randanhebung mit Komposit, vor der Abformung ausgeführt, bringt einen tiefen Rand in eine beherrschbare Lage. Es ist eine belegte Technik, die Kavitäten behandelbar macht, die sonst eine chirurgische Kronenverlängerung erforderten.

Zusammengefasst: Man geht zur indirekten Versorgung über, wenn der Isthmus die halbe Höckerdistanz überschreitet oder Wände unter 2 Millimeter fallen; man überkuppelt den geschwächten Höcker; und man wählt das Material nach der Parafunktion. Die Kavitätengröße allein genügt nicht zur Entscheidung.