Digitale CAD/CAM-Prothetik: die Zukunft der Prothetikzahnmedizin
Wie ein vollständiger CAD/CAM-Workflow funktioniert, der Unterschied zwischen subtraktiver (Fräsen) und additiver Fertigung (3D-Druck), und warum der Chairside- und der Labor-Workflow zwei unterschiedliche Modelle mit verschiedenen Vorteilen bleiben.
Die CAD/CAM-Technologie (Computer-Aided Design / Computer-Aided Manufacturing) kommt bereits 1957 in der Fertigungsindustrie zum Einsatz, hält aber erst ab 1980 Einzug in die Zahnmedizin, mit den ersten kommerziellen Systemen wie Cerec und Procera. Der Arbeitsablauf gliedert sich heute in drei Hauptelemente: ein Digitalisierungswerkzeug (Intraoral- oder Laborscanner), das das dreidimensionale Modell des Mundes oder des Gipsmodells erfasst; eine Design-Software (CAD), in der die Restauration virtuell entworfen wird, wobei Form, Stärken und Passung festgelegt werden; und ein Produktionssystem (CAM), das das digitale Projekt in ein physisches Objekt umwandelt.
Auf der Produktionsseite gibt es zwei radikal unterschiedliche Ansätze. Die subtraktive Fertigung, oder Fräsen, geht von einem massiven Materialblock — Keramik, Zirkonoxid, Composite-Kunststoff, Metall — aus und bearbeitet ihn schrittweise durch Materialabtrag, bis die entworfene Form erreicht ist: Dies ist die am weitesten verbreitete Methode für Kronen, Brücken und Veneers aus hochfesten Keramikmaterialien. Die additive Fertigung, oder 3D-Druck, baut das Objekt durch schrittweise Materialzugabe auf, Schicht für Schicht, durch Techniken wie Stereolithographie (SLA), Schmelzschichtung (FDM), selektives Laserschmelzen (SLM) oder Laser-Sintern (SLS) — ein zunehmend verbreiteter Ansatz für Diagnosemodelle, chirurgische Führungsschienen, Positionierungsschablonen und Provisorien.
Eine klinisch relevante Unterscheidung betrifft den Zeitpunkt und Ort der Produktion. Der Chairside-Workflow ermöglicht es, die gesamte Restauration — vom optischen Scan bis zum finalen Fräsen — in einer einzigen Sitzung, vollständig innerhalb der Zahnarztpraxis, ohne Zwischenschritte über ein externes Labor herzustellen: ein erheblicher Zeitvorteil für den Patienten, typischerweise Einzelrestaurationen wie Inlays, Onlays, Veneers oder Einzelkronen vorbehalten. Der traditionellere Labor-Workflow erfordert mindestens einen zusätzlichen Schritt — die digitale Erfassung wird an ein externes Labor oder Fräszentrum übermittelt —, bleibt aber die bevorzugte Wahl für komplexere und umfangreichere Rehabilitationen, bei denen die Überwachung und Fertigstellung durch einen spezialisierten Zahntechniker schwer zu ersetzen bleibt.
Der Anwendungsbereich von CAD/CAM hat sich schrittweise weit über einzelne Kronen hinaus erweitert: Er umfasst heute mehrgliedrige festsitzende Brücken, Inlays und Onlays, ästhetische Veneers, individuelle Stümpfe und Strukturen für Implantatprothetik wie All-on-4-Rehabilitationen, sowie kieferorthopädische Vorrichtungen und chirurgische Führungsschienen für computergestützte Implantatchirurgie. Die digitale Präzision hat insbesondere ermöglicht, die Zahnpräparation bei vielen dieser Indikationen zu minimieren, ein direkter Vorteil für die Erhaltung natürlicher Zahnsubstanz, der sich mit dem in der zeitgenössischen Prothetikzahnmedizin mittlerweile zentralen Prinzip der Minimalinvasivität deckt.
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