Ein Lieferangebot lesen: Die Posten, die die Summe verändern, stehen unten
Ein Lieferangebot wird fast immer gleich gelesen: Man sieht auf den Rabattsatz und vergleicht ihn mit dem des vorigen Lieferanten. Es ist der schnellste Weg, die Posten zu übersehen, auf die es ankommt.
Der Rabatt ist der sichtbarste und am wenigsten aussagekräftige Teil, denn er wird auf eine Liste angewandt, die der Lieferant selbst setzt. Zwanzig Prozent auf eine hohe Liste sind weniger wert als zehn auf eine realistische.
Zu vergleichen ist daher der endgültige Nettopreis je Einheit, auf ein gemeinsames Maß gebracht. Eine triviale Rechnung, die kaum jemand anstellt, weil sie das Umschreiben beider Angebote verlangt.
Der zweite Posten sind Mindestbestellmengen, die den Vorteil stärker verschieben als der Rabatt. Ein besserer Preis mit hoher Mindestmenge zwingt dazu, Kapital zu binden und Bestände zu halten, die man nicht braucht.
Der dritte sind Versandkosten und die Schwelle zur freien Lieferung. Bei häufigen Bestellungen mittlerer Höhe bestimmt diese Schwelle die tatsächlichen Kosten stärker als die Preisliste.
Liegt die Schwelle hoch, bestellt man am Ende mehr als nötig, um die Kosten zu vermeiden — was zurück zum Problem überhöhter Bestände führt.
Der vierte sind die genannten Lieferzeiten, die als Zusagen und nicht als Hinweise zu lesen sind. Ein Lieferant, der zwei Tage verspricht und sieben braucht, erzwingt höhere Bestände, und dieses Kapital hat einen Preis.
Der fünfte betrifft die Zahlungsbedingungen. Dreißig Tage gegenüber Vorkasse sind ein finanzieller Vorteil im Wert eines Prozentsatzes auf den Preis, und er gehört in den Vergleich statt gesondert betrachtet.
Dann sind da die Klauseln am Ende, die man besser vorher klärt. Ob Rückgabe möglich ist und zu welchen Bedingungen, wer den Rückversand zahlt, was gilt, wenn ein Produkt beschädigt ankommt.
Bei Ware mit Verfallsdatum lohnt die Frage nach der bei Lieferung zugesicherten Restlaufzeit. Eine Charge sechs Monate vor Ablauf bei einem langsam drehenden Artikel bedeutet, einen Teil wegzuwerfen.
Ein letzter Posten betrifft die Bindungsfrist des Angebots und die Bedingungen für Anpassungen. Ein Angebot ohne genannte Frist ist keine Zusage, und es hilft zu wissen, ob der Preis ein Jahr hält oder anpassbar bleibt.
Praktisch vergleicht man zwei Angebote, indem man alles auf geschätzte Jahreskosten des eigenen tatsächlichen Verbrauchs bringt, Versand eingeschlossen. Es ist die einzige Zahl, die alle Posten zugleich berücksichtigt.
Zusammengefasst: Der Rabattsatz ist der am wenigsten aussagekräftige Posten, Mindestmengen und Versandschwellen verschieben den Vorteil stärker als die Liste, Lieferzeiten bestimmen die Bestände, Zahlungsbedingungen sind einen Prozentsatz wert, und verglichen wird über die geschätzten Jahreskosten.