Brackets: Die eingearbeitete Vorgabe wirkt nur bei korrekter Positionierung

Das Bracket trägt Informationen, die der Bogen an den Zahn weitergibt: Angulation, Inklination und Basisstärke sind darauf ausgelegt, jeden Zahn in eine festgelegte Position zu führen.

Das funktioniert unter einer Bedingung, die man voraussetzt: dass das Bracket genau an der Stelle klebt, für die es entworfen wurde. Ein halber Millimeter Höhenfehler erzeugt unbeabsichtigte Extrusion oder Intrusion.

Der Höhenfehler ist der häufigste und im Nachhinein am schwersten zu erkennen, weil das Ergebnis wie ein Vorgabefehler aussieht, während es ein Klebefehler ist.

Die verbreitetsten Vorgaben sind Roth und MBT; sie unterscheiden sich vor allem in den Torquewerten der Schneidezähne und in der Angulation der Eckzähne. MBT sieht höheren Torque an den oberen Schneidezähnen vor und Werte, die auf Gleitmechaniken zugeschnitten sind.

Keine der beiden ist absolut überlegen: Es sind in sich schlüssige Systeme, und das Problem entsteht, wenn Brackets verschiedener Vorgaben im selben Kiefer gemischt werden, weil das gerade in der Schublade lag.

Die Slotgröße bestimmt das Spiel zwischen Bogen und Bracket. Ein 0,022-Zoll-Slot nimmt größere Bögen auf und erlaubt höhere Kräfte in den Endphasen, lässt bei dünnen Bögen aber viel Spiel.

Ein 0,018-Slot überträgt Torque früher, weil das Spiel geringer ist, begrenzt aber die maximal nutzbare Bogendimension. Die Wahl richtet sich nach der bevorzugten Mechanik, nicht nach der Überlegenheit eines der beiden.

Keramikbrackets bedienen den ästhetischen Wunsch und haben zwei bekannte Grenzen. Die Reibung am Bogen ist höher als bei Metall, was das Gleiten beim Lückenschluss verlangsamt.

Die zweite Grenze wiegt schwerer: Keramik ist härter als Schmelz, und ein Keramikbracket im Kontakt mit dem Antagonisten verschleißt diesen. In der Unterkieferfront bei tiefem Biss ist das eine konkrete Kontraindikation.

Auch das Entfernen verlangt Sorgfalt, denn Keramik haftet stark und kann Schmelz mitreißen, wenn nicht die korrekte Technik mit dafür vorgesehenen Zangen verwendet wird.

Selbstligierende Brackets ersetzen die elastische Ligatur durch einen Clip. Der belegte Vorteil ist geringere Reibung und weniger Stuhlzeit bei jedem Kontrolltermin.

Die Verkürzung der Gesamtbehandlungsdauer, das wichtigste Verkaufsargument, wird von systematischen Übersichtsarbeiten hingegen weniger gestützt, als die Herstellerkommunikation nahelegt.

Zusammengefasst: Die Vorgabe wirkt nur bei präzisem Kleben, Vorgaben werden nicht gemischt, Keramikbrackets sind gegen einen kontaktierenden Antagonisten kontraindiziert, und selbstligierende Brackets sparen Stuhlzeit statt Behandlungsmonate.