Befestigungszemente: warum die Wahl davon abhängt, wie stark die Präparation hält

Die Zementwahl erfolgt oft aus Gewohnheit, mit demselben Produkt für jeden Fall. Es ist ein Fehler, der sich auf zwei entgegengesetzte Weisen rächt: Dezementierung bei kurzen Präparationen und schwierige Entfernung bei Restaurationen, die erneuert werden müssen.

Das entscheidende Kriterium ist der Halt der Präparation. Ein hoher Stumpf mit gering konvergenten Wänden hält durch seine eigene Form: Hier dichtet der Zement ab, er hält nicht.

Eine kurze oder zu stark konische Präparation hält nicht durch Form, und der Zement muss ausgleichen. Dann braucht es echte Adhäsion, nicht bloßes Ausfüllen des Spalts.

Konventionelle Zemente — Zinkphosphat, Polycarboxylat — haben ein Jahrhundert Dokumentation und keine chemische Haftung. Sie halten durch Reibung und Ausfüllen von Unebenheiten und funktionieren auf retentiven Präparationen gut.

Zinkphosphat weist eine ausgeprägte anfängliche Azidität auf, die bei vitalen Stümpfen Beschwerden nach dem Zementieren verursachen kann. Polycarboxylat wird besser vertragen, hat aber geringere mechanische Festigkeit.

Glasionomere geben Fluorid ab und haften schwach am Dentin. Kunststoffmodifizierte Varianten verbessern die mechanischen Eigenschaften, nehmen jedoch Wasser auf und können quellen, mit Bruchgefahr bei dünnen Vollkeramiken.

Kompositzemente besitzen die höchste Festigkeit und sind bei Glaskeramiken zwingend, wo der Halt fast vollständig von der Adhäsion abhängt. Sie verlangen allerdings strikte Trockenlegung und eine Konditionierungsfolge, die keine Abkürzungen duldet.

Selbstadhäsive Zemente sind heute der meistgenutzte Kompromiss: weder separates Ätzen noch Primer, bei mittlerer Festigkeit. Sie eignen sich für Zirkonoxid und Metallkeramik auf hinreichend retentiven Präparationen.

Die Konditionierung der Restaurationsfläche richtet sich nach dem Material, und sie zu verwechseln hebt die Adhäsion auf. Glaskeramiken werden mit Flusssäure geätzt und silanisiert; Zirkonoxid reagiert nicht auf Flusssäure und verlangt Abstrahlen sowie einen Primer mit Phosphatmonomer.

Zirkonoxid mit Flusssäure zu behandeln ist ein noch verbreiteter Fehler: Es entsteht keinerlei mikromechanischer Halt, und man verliert Zeit mit dem Eindruck, das Protokoll befolgt zu haben.

Der Zementüberschuss verdient Beachtung, die er selten erhält. Untersuchungen an Periimplantitisserien haben in mehr als der Hälfte der geprüften Fälle Zementreste nachgewiesen: In den Sulkus gedrückter Zement ist weder sichtbar noch mit der Interdentalbürste entfernbar.

Die Vorbeugung ist einfach und betrifft die Konstruktion: verschraubte Versorgungen, wo möglich, und bei zementierten supragingivale oder allenfalls gingivaäquivalente Ränder. Ein tiefer Rand auf einem Implantat ist eine Entscheidung, die man Jahre später bezahlt.

Zusammengefasst wird der Zement danach gewählt, wie stark die Präparation aus eigener Form hält, und die Konditionierung folgt dem Restaurationsmaterial. Der teuerste Zement gleicht keine unretentive Präparation aus, und der günstigste verdirbt keinen gut präparierten Fall.