All-on-4: vollständige Rehabilitation auf vier Implantaten

Wie das Malò-Protokoll mit gekippten Implantaten funktioniert, warum es in den meisten Fällen eine Knochentransplantation vermeidet, und welche tatsächlichen Kontraindikationen zu kennen sind.

Das All-on-4-Protokoll, entwickelt von Professor Paulo Malò auf Grundlage von über zwanzig Jahren experimenteller Forschung und in den 1990er Jahren patentiert, sieht die vollständige Rehabilitation eines gesamten zahnlosen Kieferbogens durch das Einsetzen von nur vier Implantaten vor: zwei vordere Implantate, axial positioniert, wo der Knochen im Allgemeinen von besserer Qualität ist, und zwei hintere geneigte ('gekippte') Implantate, typischerweise zwischen 30 und 45 Grad, so positioniert, dass sie den verbleibenden Basalknochen nutzen und dabei empfindliche anatomische Strukturen wie den Nervus alveolaris inferior, die Kieferhöhle oder die Nasenhöhlen vermeiden.

Die Neigung der hinteren Implantate ist kein Notkompromiss, sondern eine präzise biomechanische Entscheidung: Sie ermöglicht es, den Abstand zwischen den Implantaten zu vergrößern, ein größeres prothetisches Abstützungspolygon zu erhalten, die Länge der Freiendverlängerungen (Kragarme) der Prothese zu reduzieren und längere Implantate zu verwenden, die die Kontaktfläche zwischen Knochen und Implantat erhöhen. Die verfügbare Literatur, mit Nachbeobachtungszeiten von 1 bis 10 Jahren in verschiedenen Studien, zeigt, dass diese Neigung die langfristigen Ergebnisse der Rehabilitation nicht beeinträchtigt, mit Ergebnissen, die mit denen von traditionell parallel positionierten Implantaten vergleichbar sind.

Der bedeutendste klinische Vorteil des All-on-4-Protokolls ist die Möglichkeit, in der großen Mehrheit der Fälle vorbereitende Knochenregenerationseingriffe zu vermeiden — Verfahren mit hohen biologischen und wirtschaftlichen Kosten, deren Ergebnisse oft stark vom Behandler abhängen. Durch die Nutzung des verfügbaren Restknochens ist es oft möglich, in derselben Sitzung nicht mehr erhaltungswürdige Zähne zu extrahieren, die Implantate einzusetzen und sogar eine provisorische, sofort belastete, verschraubte Prothese anzubringen, wodurch dem Patienten innerhalb eines einzigen Tages Funktion und Ästhetik zurückgegeben werden, wobei die endgültige Prothese einige Monate später nach vollständiger Osseointegration hergestellt wird.

Die tatsächlichen Kontraindikationen dieses Protokolls sind begrenzter, als man denken könnte: Bruxismus und Rauchen gelten als Risikofaktoren, aber nicht als absolute Kontraindikationen, während die wahren Kontraindikationen unkontrollierte Erkrankungen des Immunsystems, vorangegangene Strahlentherapie im Unterkiefer- oder Oberkieferbereich sowie eine laufende intravenöse Bisphosphonat-Therapie wegen des mit dieser Medikamentenklasse verbundenen Osteonekroserisikos der Kiefer umfassen. Die in der Literatur berichteten Implantaterfolgsraten liegen typischerweise zwischen 97% und 99%, mit einem prothetischen Erfolg, der in vielen Fallserien 100% erreicht.

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