Abdruckmaterialien: Silikone und Polyether im Vergleich

Was 'Hydrophilie' bei einem Abdruckmaterial tatsächlich bedeutet, der chemische Unterschied zwischen Polyvinylsiloxanen und Polyethern, und warum keines der beiden in einem vollständig feuchten Arbeitsfeld gut funktioniert.

Elastomere Abdruckmaterialien gliedern sich hauptsächlich in Polyvinylsiloxane (PVS, oder Additionssilikone), Polyether und, heute in geringerem Maße, Kondensationssilikone und Polysulfide. Reversible Hydrokolloide, einst weit verbreitet, wurden schrittweise aus der klinischen Praxis aufgegeben wegen der Notwendigkeit spezieller Heizgeräte und Abdrucklöffel mit interner Wasserzirkulation, heute fast überall durch praktischere Alternativen ersetzt.

Das im Marketing von Abdruckmaterialien oft zitierte Konzept der Hydrophilie hat eine präzise technische Bedeutung, die mit dem Kontaktwinkel zwischen einem Wassertropfen und der Materialoberfläche verbunden ist: Ein Winkel unter 90 Grad zeigt Hydrophilie an, einer über 90 Grad Hydrophobie. Streng chemisch gesehen sind die einzigen wirklich hydrophilen Abdruckmaterialien Hydrokolloide; Polyether interagieren günstig mit Wasser über Wasserstoffbrückenbindungen, aber in der Praxis führt diese Interaktion auch zu einer teilweisen Auflösung der wasserlöslichen Weichmacher in der Formulierung, was das Material nach dem Aushärten teilweise verändert. Additionssilikone, historisch hydrophob, wurden mit der Zugabe von Tensiden verbessert, die ihre Oberflächenbenetzbarkeit erhöhen (Hydroaktivität) — eine wichtige praktische Verbesserung, die aber keiner echten chemischen Hydrophilie gleichkommt.

Aus klinischer Sicht ist wichtig zu beachten, dass keines der beiden Materialien einen akzeptablen Abdruck in einem vollständig feuchten Arbeitsfeld erzeugt: Sowohl Silikon als auch Polyether zeigen bei Kontakt mit überschüssiger Flüssigkeit eine reduzierte oder fehlende Anpassung an die zu reproduzierende Struktur und einen erheblichen Detailverlust. In einer teilweise feuchten Umgebung hingegen kann die höhere Hydroaktivität des Polyethers in den ersten Phasen nach dem Mischen einen praktischen Vorteil darstellen, vorausgesetzt, dass strengere Ausgusszeiten (im Allgemeinen innerhalb einer Stunde) im Vergleich zu Silikonen eingehalten werden.

Polyether gelten aufgrund ihrer hohen Steifigkeit nach dem Aushärten traditionell als eines der am besten für multiple Implantatabdrücke geeigneten Materialien, weil sie die Transferpfosten besser stabilisieren und deren Mikrobewegungen während der Entnahme reduzieren; diese gleiche Steifigkeit macht sie jedoch weniger geeignet als PVS, wenn die Elastizität des Materials wichtiger ist als absolute Steifigkeit, wie bei Abdrücken mit ausgeprägten Unterschnitten oder tiefen subgingivalen Rändern.

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